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grouse grind…

14 Jul

… oder wie wir uns einmal aufmachten den berg zu besiegen

grouse mountain ist der hausberg von vancouver und ist relativ schnell zu erreichen – einmal kurz in den seabus reingesprungen und dann noch ein stückchen mit dem bus und schon ist man am fuß des berges angekommen. da kann man sich dann entscheiden: setzt man sich ganz bequem in die gondel, um an die spitze zu kommen, oder wagt man den berühmt berüchtigten aufstieg – den sogenannten grouse grind.

trail facts
streckenlänge: 2,9 kilometer
höhenmeter: 853 meter
anzahl der stufen: 2830 (zum vergleich – empire state building: 1576)
rekordzeit: about 20 minutes
unsere benötigte zeit: forget about that ;-)

natürlich entschieden wir uns für die herausforderung – man kommt auch ehrlich gesagt nicht drum herum. die einheimischen laufen ihn jede woche zweimal hoch – und wir wurden schon vor dem start von sportlern überholt, die den grouse grind hochjoggten… für die leute hier ist das ein wettlauf mit dem eigenen körper. man kann sich nämlich „tracken“ lassen, was soviel bedeutet, dass man unten eine chipkarte erhält, die man dann am start auslöst und wenn man oben ankommt wird die zeit gestoppt. man hat dann die möglichkeit sich entweder ganz toll oder ganz schön schlecht zu fühlen, wenn man dann oben im chalet auf den bildschirmen seinen namen und die dazugehörige, benötigte zeit sieht ;-)

bei unserem „ersten mal“ war uns das aber egal. wir waren am sonntag dort und dementsprechend voll war der grind auch. ständig wurde man überholt, ist auf leute aufgelaufen und musste erst zu seinem tempo finden. den grouse grind läuft hier auch echt jeder, von kindern über übergewichtige bis hin zu rentern. jeder sucht die herausforderung mit dem berg…

wir starteten also und am anfang war alles noch relativ easy going… doch je weiter man ging, desto stärker wurde man sich seinen beinen bewusst… während felix keinerlei probleme hatte (betonte er jedenfalls ständig), begann ich doch schon recht früh meine beine zu spüren und musste immer wieder kleine pausen einlegen (die haben aber auch felix gut getan)… als wir echt schon ewig gelaufen waren konnten wir folgende situation beobachten:

ein pärchen am wegesrand – sie sitzend, er stehend – sie: „ich geh jetzt keinen schritt mehr, ich schaff das nicht“ er:“der anfang ist immer der schwerste, außerdem haben wir schon über die hälfte.“ sie:“wirklich?“ er:“ja, komm schon, du schaffst das und dann sind wir auch gleich oben“ – sie gingen also weiter… 15 minuten später erreichten wir die erste marke. wir hatten das erste viertel der wegstrecke hinter uns!

als uns das pärchen erreichte rief sie entsetzt: „you’re such a liar!!! i’m going nowhere right now“ und blieb am wegesrand sitzen. er setzte den aufstieg alleine fort ;-)

aber ganz ehrlich – ich konnte sie auch immer besser verstehen, je höher wir kamen… es dauerte einfach ewig und insgeheim hoffte ich immer, dass die markierungen einfach abgefallen sind und wir kurz vor dem ziel sind, bis ich dann doch wieder eine entdeckte, die mir sagte, dass noch die hälfte des weges vor uns lag :-(

nach knapp zwei stunden kamen wir dann (ich: völlig fertig, felix: entspannt – sein roter kopf und sein t-shirt sprachen eine andere sprache ;-)) oben an und waren erstmal überrascht: hier erwartet einen keine ruhe am gipfel – hier erwartet einen ein vergnügungspark. von lamber jack shows, über birds in motion, heli tours, paragliding, the eye of the wind und wildlife refuge bis hin zu mountain ziplines ist hier alles geboten, was man sich nur vorstellen kann. einfach wahnsinn!!!

leider ist es einem auch nicht möglich ganz an die spitze zu laufen (es fährt ein sessellift für $5) und es ist auch nicht möglich wieder nach unten zu gehen. es ist verboten den weg wieder zurück zu gehen, da es einfach zu gefährlich ist -man würde die aufsteigenden menschen in gefahr bringen…

also lösten wir ein ticket für den skyride (seilbahn) und erlebten die lustigste seilbahnfahrt ever. man muss sich vorstellen, man steht mit circa 50-100 menschen in der vollbesetzten bahn und es geht mit einem affenzahn los. immer wenn man dann zu einem träger/pfeiler kommt, und man kurzzeitig meint, man wäre schwerelos, quietschen, schreien und kreischen alle menschen um einen herum los und man ist sozusagen gezwungen mitzuschreien…

wir wollten eigentlich gar nicht – aber der mund öffnete sich trotzdem und heraus kam ein schrei, der den ganzen aufstieg, die strapazen und die schräge und leicht abgedrehte welt auf dem grouse mountain zu dem machte, was dieser tag war: perfekt!

grouse mountain – wir haben dich besiegt ;-) – und wir kommen wieder…